Lawinenwarnstufen einfach erklärt

Die Lawinenwarnstufen reichen von 1 (gering) bis 5 (sehr groß) und gelten seit 1993 einheitlich im gesamten Alpenraum. Sie zeigen auf einen Blick, wie es um die Schneedecke und damit die Sicherheit bei Bewegung im freien Gelände steht.

 

Für wen ist dieser Beitrag?

Für alle, die im Winter wandern oder mit Schneeschuhen unterwegs sind. Wanderhotels mit entsprechender Expertise findest du unter Winterwandern Pur bzw. Schneeschuhwandern.

Respekt vor den Bergen

Die gute Nachricht: Mit ein paar Grundkenntnissen, einem Blick in den Lawinenlagebericht und der Beratung vor Ort bist du bestens vorbereitet. Wir zeigen dir, wie das geht, ganz ohne Angst, aber mit Respekt vor den Bergen.

Im Wanderhotel bist du bestens beraten

Du musst dich nicht allein durch Lagebericht und Karte arbeiten. In jedem Wanderhotel gibt es geführte Touren mit ausgebildeten Wanderguides. Sie kennen ihre Berge, die Wege und die aktuelle Schneelage und beraten dich fachkundig bei allen Fragen rund um Lawinengefahr, begehbare Wege und passende Touren. Sie wissen auch, wo es bei jeder Lage schön ist: im Wald, an sonnigen Hängen und auf den Winterwanderwegen im Tal.

TIPP DER WANDERHOTELS: Frag am Vorabend nach, welche Wege morgen gut begehbar sind. Beim Frühstück hast du dann deine Tour im Kopf und der Rest ist Genuss.

Lawinenwarnstufen einfach erklärt
© Cam Poetry

Leider ist man ja nicht immer in einem Wanderhotel. Daher zeigen wir dir hier, wie du selbständig Lawinenberichte liest, wo du zuverlässige Informationen findest und was im Notfall zu tun ist.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die europäische Lawinengefahrenskala hat fünf Stufen: 1 gering, 2 mäßig, 3 erheblich, 4 groß, 5 sehr groß
  • Die Stufen sind nicht gleichmäßig aufgebaut: Stufe 3 ist nicht einfach „eins mehr“ als Stufe 2, sondern zeigt ein deutlich stärkere Zunahme der Gefahr an als die Zahl vermuten ließe.
  • Eine Stufe beschreibt eine ganze Region von mindestens 100 km², nicht einen einzelnen Hang
  • Lawinen können ab etwa 30 Grad Hangneigung ausgelöst werden
  • Abseits gesicherter Wanderwege im freien Gelände gehören LVS-Gerät, Sonde und Schaufel samt sicherer Handhabung (Kurs besucht) zum Standard.
  • In jedem Wanderhotel gibt es geführte Winterwanderungen mit ausgebildeten Wanderguides und fachkundige Beratung zu Lawinengefahr und begehbaren Wegen.

 

Was bedeutet freies Gelände?

Als freies Gelände bezeichnet man Gelände abseits gesicherter und markierter Wege und Pisten. Dort musst du die Lawinengefahr selbst einschätzen oder dich von einem Wanderguide führen lassen. Auf gesicherten Winterwanderwegen bist du in der Regel auf der sicheren Seite. Frag im Zweifel im Hotel nach, ob der Weg offen ist.


Unsere Empfehlung: Hast du keine Erfahrung in der Lawinenkunde, bleib ab Stufe 3 (erheblich) auf gesicherten Wegen oder geh mit einem Wanderguide. Bei Stufe 1 und 2 halten sich Einsteiger an Gelände unter 30 Grad. Wer im freien Gelände unterwegs ist, hat laut Alpenverein LVS-Gerät, Sonde und Schaufel dabei und ist im Umgang damit geübt - es reicht nicht, ein Youtube Tutorial anzuschauen, sondern man muss einen entsprechenden Kurs absolvieren. Bei einer geführten Tour klärt dein Wanderguide die Ausrüstung mit dir.

Apropos Ausrüstung: Gute Kleidung ist im Winter besonders wichtig. Erfahre alles über die optimale Bekleidung beim Winter- & Schneeschuhwandern

Die fünf Lawinenwarnstufen im Überblick

Die Beschreibungen beruhen auf der Europäischen Lawinengefahrenskala der Lawinenwarndienste (Quelle: EAWS) und sind hier in einfachen Worten wiedergegeben. „Zusatzbelastung“ meint dabei zum Beispiel eine Person, die sich im Gelände bewegt. Gerade wenn man als Gruppe mit Schneeschuhen unterwegs ist, kann man diese Zusatzbelastung punktuell minimieren, indem man mindestens 10 Meter Abstand zueinander hält.

Die Schneedecke ist fest und stabil. Eine Lawine lässt sich nur bei großer Zusatzbelastung und nur an wenigen Stellen im extrem steilen Gelände auslösen.

Für dich: allgemein sichere Verhältnisse.

Die Schneedecke hält an einigen Steilhängen nur mäßig zusammen, sonst ist sie gut verfestigt. Lawinen können vor allem bei großer Zusatzbelastung an den im Bericht genannten Steilhängen ausgelöst werden. Von selbst abgehende sehr große Lawinen sind nicht zu erwarten.

Für dich: günstige Verhältnisse, Steilhänge über 30 Grad bleiben im Blick.

An vielen Steilhängen hält die Schneedecke nur mäßig bis schwach zusammen. Schon eine geringe Zusatzbelastung kann dort eine Lawine auslösen, auch von selbst abgehende Lawinen sind möglich.

Für dich gilt: Für klassische Schneeschuhgänger und Winterwanderer ohne fundierte Lawinenkunde ist die Stufe 3 im freien Gelände ein klares Stopp-Signal. Aus Sicht der Wanderhotels ist das Risiko abseits gesicherter Wege jetzt schlicht zu groß, da bereits die geringe Zusatzbelastung eines einzelnen Wanderers eine Lawine auslösen kann. Wer dennoch eine Tour im freien Gelände unternehmen möchte, sollte sich einer professionell geführten Gruppe anschließen. Ein ausgebildeter Berg- oder Wanderguide kann die Lawinensituation fachkundig beurteilen und eine möglichst risikoarme Route wählen.

An den meisten Steilhängen hält die Schneedecke nur schwach zusammen. An zahlreichen Steilhängen ist es wahrscheinlich, dass schon eine geringe Zusatzbelastung eine Lawine auslöst.

Für dich: die Tourenmöglichkeiten sind stark eingeschränkt. Man sollte sich nicht ins freie, ungesicherte Gelände begeben. Ein Spaziergang im Tal ist auch schön!

Die Schneedecke hält allgemein nur schwach zusammen und ist weitgehend instabil. Lawinen, die sich von selbst lösen, sind auch in mäßig steilem Gelände zu erwarten. Diese Stufe ist sehr selten.

Für dich: Touren im freien Gelände sind allgemein nicht möglich, ein guter Tag für Sauna und Kachelofen.

Warum Stufe 3 so oft zur Sprache kommt

Stufe 3 ist keine Ausnahme, sondern Alltag in den Alpen: Laut dem Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF galt in den vergangenen zehn Jahren im Schnitt fast an jedem zweiten Tag Stufe 2 und an jedem dritten Tag Stufe 3. Gleichzeitig gehen laut EAWS rund 50 % der Lawinentoten auf Stufe 3 zurück. Der Grund: Die Verhältnisse wirken oft einladend, die Schneedecke ist aber an vielen Steilhängen nur mäßig bis schwach verfestigt.

Für dich heißt das nicht „bleib zuhause“, sondern „plane bewusst und lass dich beraten“.

Eine Gruppe geht bei einer geführten Schneeschuhwanderung vom Wanderhotel Kirchner aus durch den Schnee am Wildkogel.

© Cam Poetry

Wo findest du den richtigen Lawinenlagebericht?

Die Lawinenwarndienste veröffentlichen die Lageberichte in der Regel ab dem ersten großen Schneefall täglich. Für die alpinen Regionen unserer Wanderhotels gibt es diese offiziellen Lawinenwarndienste. Solltest du in einem Wanderhotel Urlaub machen, frag gerne dort nach. Ausgebildete Guides können dir weiterhelfen.

Tirol, Südtirol und Trentino

Vorarlberg

Salzburg

Kärnten

Steiermark

Oberösterreich

 

Wie lese ich einen Lawinenlagebericht richtig?

  • Gefahrenstufe und Region prüfen. Die Stufe gilt für ein größeres Gebiet. Auf einzelnen Hängen kann die Gefahr deutlich abweichen.
  • Höhenlage und Himmelsrichtung ansehen. Der Bericht nennt, in welchen Höhenlagen und an welchen Hangausrichtungen die Gefahrenstellen liegen.
  • Das Lawinenproblem verstehen. Es gibt fünf typische Lawinenprobleme: Neuschne - Triebschnee (vom Wind verfrachteter Schnee) - Altschnee - Nassschnee - Gleitschnee. Bei Gleitschnee gleitet eine nasse Schneeschicht samt Schneedecke auf glattem Untergrund ab, zum Beispiel auf einem Wiesenhang.
  • Tendenz beachten. Der Bericht sagt, ob die Gefahr am Folgetag gleich bleibt, steigt oder abnimmt.
  • Tageszeitlichen Verlauf beachten (Gefahren-Update): Die Lawinengefahr ist über den Tag verteilt nicht immer gleich. Besonders an sonnigen Tagen oder im Frühjahr kann sich die Lage im Tagesverlauf drastisch verändern. Während morgens nach einer kalten Nacht oft noch stabile Verhältnisse herrschen, sorgt die Sonneneinstrahlung und Erwärmung ab dem Mittag für einen raschen Anstieg der Gefahr (Nass- und Gleitschnee). Die Wanderhotels raten daher zu der goldenen Winterregel: „Früh starten, früh zurück sein“, um dem gefährlichen Nachmittagsanstieg zu entgehen.
  • Mit dem Gelände abgleichen. Jetzt kommt deine geplante Route ins Spiel, am besten mit der 30-Grad-Regel.
Eine Schneeschuhwanderung durch den Wald am Wildkogel macht diese lachende Frau.

© Cam Poetry

Die 30 Grad Regel: dein einfacher Kompass

Lawinen können ab etwa 30 Grad Hangneigung ausgelöst werden. Nass- und Gleitschneelawinen gibt es auch an weniger steilen Hängen, und Lawinen können sehr weit in flacheres Gelände vordringen (Quelle: Alpenverein). Das heißt: Schau nicht nur auf den Weg, sondern auch auf die Hänge oberhalb deiner Route.

 

DER DIGITAL-TIPP DER WANDERHOTELS: Bei der Tourenplanung abseits gesicherter Wege stoßen reine Sommer-Apps an ihre Grenzen. Die Experten der Wanderhotels empfehlen daher, auf Tools wie Outdooractive, die App SnowSafe oder die regionalen Apps der Lawinenwarndienste zurückzugreifen. Der Grund: Diese Winter-Spezialisten hinterlegen Hänge ab einer kritischen Neigung von 30 Grad farblich auf der Karte, was für eine sichere Beurteilung der Lawinenlage unerlässlich ist.

Notruf in den Alpen

  • Österreich: 140, Alpin-Notruf der Bergrettung
  • Europaweit: 112, funktioniert unabhängig vom Netzbetreiber. Zeigt dein Handy "Nur Notrufe" an, starte es neu und gib statt des PIN Codes 112 ein! So wird automatisch das stärkste verfügbare Netz angewählt.
  • Südtirol / Italien: 112
  • Kein Handynetz? Dann hilft das alpine Notsignal: 6 x / Minute - also alle 10 Sek. - ein Signal (Rufen, Pfeifen oder Lichtzeichen). 1 Minute Pause. Wiederholen.
  • App-Tipp: Installiere vorab die App SOS EU Alp (Tirol & Südtirol) oder die Notfall App Bergrettung (Österreich). Sie übermitteln im Notfall per Knopfdruck deine exakten GPS-Daten an die Rettungsleitstelle.
Winterwandern durch den Wald entlang markierter Winterwanderwege ist in Tirol die sicherste Art, unterwegs zu sein.

© Cam Poetry

Häufige Fragen zu Lawinenstufen

Sie beschreiben, wie stabil die Schneedecke ist: 1 gering, 2 mäßig, 3 erheblich, 4 groß, 5 sehr groß. Die Skala gilt seit 1993 im gesamten Alpenraum.

Es gibt keine einzelne Grenze, denn die Gefahr hängt vom Gelände ab. Ab Stufe 3 sind die Tourenmöglichkeiten im freien Gelände eingeschränkt, vor allem an Hängen über 30 Grad. Im Zweifel wählst du ein Tour in gesichertem Terrain oder fragst deinen Wanderhotels-Wanderconcierge.

In der Regel ab dem ersten großen Schneefall täglich, in Tirol und Südtirol am Vorabend gegen 17 Uhr.

Als freies Gelände bezeichnet man Gelände abseits gesicherter und markierter Wege und Pisten. Dort musst du die Lawinengefahr selbst einschätzen oder dich von einem Wanderguide führen lassen.

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